Selbstständig und sicher im ÖPNV unterwegs: BG Klinik Tübingen und TüBus entwickeln Rollstuhltraining

Neues Angebot für Patientinnen und Patienten am Tübinger Querschnittszentrum | Barrieren, Menschenmengen und Zeitdruck: Der öffentliche Personennahverkehr stellt Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer oft vor besondere Herausforderungen – und ist gleichzeitig für viele eine wichtige Voraussetzung, um selbstständig mobil zu bleiben. Um die Nutzung des Stadtbusses zu erleichtern und den Betroffenen mehr Sicherheit im Bus sowie an der Haltestelle zu geben, hat das Querschnittszentrum der BG Klinik Tübingen gemeinsam mit der TüBus GmbH ein praxisnahes Rollstuhltraining entwickelt. Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten der BG Klinik und wird künftig mehrmals im Jahr durchgeführt.

Beim Rollstuhltraining können Patientinnen und Patienten mit Aktiv- und Elektrorollstühlen ohne Zeitdruck alle wichtigen Handgriffe für den sicheren Ein- und Ausstieg in den Bus üben. (Foto: BG Klinik Tübingen)

Abseits des Linienbetriebs und unter therapeutischer Begleitung üben die Teilnehmenden typische Abläufe im ÖPNV – realitätsnah, aber in geschütztem Rahmen. Beim Training am 22. September 2026 konnten fünf Patientinnen und Patienten mit Aktiv- und Elektrorollstühlen an der TüBus-Haltestelle BG Unfallklinik ohne Zeitdruck alle wichtigen Handgriffe üben: von der richtigen Positionierung an der Haltestelle über den Ein- und Ausstieg bis zur sicheren Platzierung im Bus. 

Gemeinsam für mehr Mobilität und Teilhabe: BG Klinik Tübingen und TüBus als Partner 

„Unser Ziel am Querschnittzentrum ist es, trotz der Lähmung ein Höchstmaß an Selbstständigkeit zu ermöglichen. Im Rahmen der lebenslangen Nachsorge tut unser interdisziplinäres Team alles dafür, dass diese Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten bleibt. Die Kooperation mit TüBus ist dafür sehr wertvoll, weil sie diesen Anspruch um einen entscheidenden Aspekt ergänzt: die sichere und selbstbestimmte Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs“, sagt Dr. Andreas Badke, Chefarzt Querschnittgelähmte, Technische Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie.

„Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Integrierte Rehabilitation um ein weiteres Trainingselement ergänzen können und so unseren Patientinnen und Patienten den Einstieg in den Berufs- und Lebensalltag noch besser zu ermöglichen“, sagen Sylvia Pansow und Susanne Dieffenbach aus der Geschäftsführung der BG Klink Tübingen.

Auch swt-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke betont den Wert der Zusammenarbeit: „Mit der BG Klinik Tübingen haben wir einen Partner, der genau weiß, welche Anforderungen der Alltag im Rollstuhl mit sich bringt. Dieses Know-how verbinden wir mit unserer Erfahrung aus dem Busbetrieb. Solche Kooperationen sind entscheidend, wenn wir Barrierefreiheit nicht nur zur Ausstattung, sondern im Alltag spürbar machen wollen.“

„TüBus soll ein Mobilitätsangebot für alle sein. Gerade für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind und nicht ohne Weiteres auf andere Verkehrsmittel ausweichen können, ist der ÖPNV besonders wichtig – aber leider wird die Nutzung immer noch durch Barrieren erschwert. Umso mehr freut es uns, dass wir gemeinsam mit der BG Klinik Tübingen genau hier ansetzen“, sagt TüBus-Abteilungsleiterin Sabine Boßdorf. „In ergänzenden Trainings wird unser Fahrpersonal darin geschult, Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer bestmöglich zu unterstützen und die vorhandenen Hilfseinrichtungen sicher und korrekt zu nutzen.“

Auch aus therapeutischer Sicht ist der öffentliche Nahverkehr ein wichtiger Baustein für Teilhabe. Valerie Debler, Ergotherapeutin an der BG Klinik Tübingen, betont: „Wir arbeiten mit unseren querschnittgelähmten Patientinnen und Patienten darauf hin, selbstbestimmte Mobilität bestmöglich zu erhalten. Der öffentliche Nahverkehr spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn er ermöglicht nicht nur Mobilität, sondern aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

Medizinische Expertise trifft auf barrierefreie Ausstattung  

Das Querschnittzentrum der BG Klinik Tübingen unter der Leitung von Chefarzt Dr. Andreas Badke ist seit vielen Jahrzehnten auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Querschnittlähmung spezialisiert – von der Versorgung akuter Rückenmarkverletzungen bis zur Behandlung von Komplikationen bei lang bestehender Querschnittlähmung. Therapie und Nachsorge werden kontinuierlich weiterentwickelt und durch innovative Ansätze in Chirurgie sowie Physio- und Ergotherapie ergänzt.

Die Mitnahme von Rollstühlen ist in allen TüBus-Fahrzeugen technisch möglich: Für den Ein- und Ausstieg lassen sich Rampen ausklappen, Zuggurte sorgen für eine sichere Positionierung von Aktiv-Rollstühlen. Die dafür vorgesehenen Stellplätze befinden sich im Türbereich und sind für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer reserviert.

Mit dem neuen Rollstuhltraining-Konzept verbindet die BG Klinik Tübingen ihre medizinische Expertise mit der ÖPNV-Kompetenz und den modern ausgestatteten Linienfahrzeugen von TüBus. Die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt und wird bei Bedarf kontinuierlich weiterentwickelt.